Flexibel aus Armut – Selbstbeschreibung und Taktiken der Ressourcenerschließung von NRO-Akteuren in Westafrika


Internationale Anstrengungen zur Entwicklung in den ärmsten Ländern der Welt legen große Hoffnungen in die Fähigkeiten sogenannter nichtstaatlicher Entwicklungsakteure. Diese Personen und ihre Institutionen, die Nicht-Regierungs-Organisationen (NROs), sind längst zu einer tragenden Säule der Entwicklungspraxis geworden. Dabei wird jedoch häufig übersehen, in welchem Ausmaß prekäre Lebens- und Arbeitsbedingungen bei den auf lokaler Ebene institutionell Verantwortlichen dieser Organisationen vorherrschen. Männer und Frauen, die vor Ort, „auf der Graswurzelebene“, für die Umsetzung von Entwicklungsideen verantwortlich sind, und die in dieser Funktion in globale Netzwerke eingebunden sind, haben oftmals selbst keine sichere ökonomische Basis. Ihre eigene Tätigkeit steht und fällt mit der Fähigkeit, aus einer Position außerordentlicher Schwäche heraus sich und ihre Organisation im Geflecht globaler Praktiken und Erwartungen zu positionieren. Wer in diesem Feld eine Zukunft haben möchte, muss sensibel auf die Anforderung der übergeordneten, zumeist global agierenden und sich politisch dezidiert positionierenden Geberorganisationen reagieren. Das bedeutet auch, mit paradoxen, einander widersprechenden Anforderungen fertig zu werden und immer wieder Ressourcen vorzuweisen und gegebenenfalls vorzuspiegeln, auch wenn die eigenen Mittel keine hinreichende Basis dafür bieten. 

Das Projekt wird aus der Sicht der marginalen Akteure erklären, wie diese mit ihrer – oftmals of-fen eingestandenen – Schwäche umgehen, wie sie sich selbst immer wieder neu definieren, um im globalen Kontext Mittel zu erlangen. Dafür soll an zwei Orten in einem der ärmsten Länder der Welt (Burkina Faso) in zwei Mittelstädten die Lage der Nicht-Regierungs-Organisationen histo-risch und ethnografisch untersucht werden. Die ethnografische Basis soll aus einer exemplari-schen Untersuchung der Sinnhorizonte und der Lebenswelt solcher lokaler Akteure bestehen. Entlang der Hierarchieebenen werden erst in einem zweiten Schritt der Untersuchung auch über-geordnete Ebenen sowie die international agierenden „Geber“-NRO mit einbezogen.


Publikationen

Melina C. Kalfelis. “Reflections on Hunger in Burkina Faso.” On_Culture: The Open Journal for the Study of Culture 1 (2016).

Beteiligte


Prof. Dr. Hans Peter Hahn 
Goethe Universität Frankfurt am Main 
Institut für Ethnologie 
Norbert-Wollheim-Platz 1 
60629 Frankfurt am Main 
Tel.: +49/69/798 –33072 
hans.hahn (at) em.uni-frankfurt.de

Dr. des. Kathrin Knodel
Goethe Universität Frankfurt am Main
Gräfstr. 78
Juridicum Postfach 104
60486 Frankfurt / Main
Tel.: +49 (0)69 798-33959
kknodel (at) em.uni-frankfurt.de

Melina Kalfelis 
Goethe Universität Frankfurt am Main 
Gräfstr. 78
Juridicum Postfach 104
60486 Frankfurt / Main
Tel.: +49 (0)69 798-33959  


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