Potestas, Iurisdictio und Dominium: Schwäche- und Gewaltendiskurse im 13. und 14. Jahrhundert


Das Teilprojekt untersucht die Diskurse über Schwäche und damit auch Stärke der politischen Gewalten im Mittelalter im Anschluss an die Rezeption der aristotelischen Theorie der Politik durch die lateinischsprachigen Autoren und politisch-juristischen Akteure des ausgehenden 13. und 14. Jahrhunderts. Die Rezeption der politischen Theorie des Aristoteles aus griechischen Quellen stellt eine bedeutsame Zäsur in der mittelalterlichen Diskussion über politische Schwäche und Stärke der politischen Gewalten dar; denn sie ermöglicht es, dass die zuvor in getrennten Disziplinen und unterschiedlichen institutionellen Zuständigkeiten geführten Debatten über iurisdictio und dominium, und das heißt über die Legitimation und Begrenzung von politischer und rechtlicher, von gesellschaftlicher und religiöser Macht und Gewalt erstmals auf einer philosophischen Grundlage methodisch, sachlich und terminologisch zusammengeführt werden konnten. Daraus resultieren nicht nur inhaltlich neue Konzepte von Politik und rechtlicher Verfassung, sondern auch theoretische Einsichten und Vorschläge, die die überlieferten Konstellationen der gesellschaftlichen und politischen Mächte des Mittelalters überschreiten und verändern. Für die Fragen des SFB werden sich die Forschungen des Teilprojekts insofern als bedeutsam erweisen, als es hier gelingt, den Zusammenhang von Reflexion und Politik zu rekonstruieren und die neuen Theorien als zentrale Ressourcen für die Zuschreibung von Schwäche und Stärke der politischen Gewalten in ihrem Verhältnis zueinander sichtbar werden zu lassen, die ihrerseits einen neuen Blick auf deren Ressourcen eröffnete. Dies soll im Teilprojekt „Potestas, iurisdictio und dominium: Schwäche- und Gewaltendiskurse im 13. und 14. Jahrhundert“ dadurch geschehen, dass die neuen epistemologischen Konzepte für eine philosophische Theorie der Politik in ihrem Zusammenwirken mit den neuen Fragestellungen der Theologie und den Debatten über die Grundbegriffe des Rechts im Kontext der Veränderungen im Machtgefüge des ausgehenden 13. Jahrhunderts analysiert und im Blick auf ihre Relevanz für die späteren Diskurse über Schwäche und Stärke der politischen Gewalten im 14. Jahrhundert, aber auch im Blick auf Humanismus, Neuzeit und Moderne untersucht werden.

Beteiligte


Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann 
Goethe Universität Frankfurt am Main
Institut für Philosophie
Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main
Tel.: +49(0)69 -798-32779
lutz-bachmann (at) em.uni-frankfurt.de

Dr. Anselm Spindler
Goethe Universität Frankfurt am Main
Gräfstr. 78
Juridicum Postfach 104
60486 Frankfurt / Main
spindler (at) em.uni-frankfurt.de

Marco Toste
Goethe Universität Frankfurt am Main
Gräfstr. 78
Juridicum Postfach 104
60486 Frankfurt / Main
Tel.: +49 (0)69/798-33962
toste (at) em.uni-frankfurt.de