A 03 Wissen(de) als Ressource und die Legitimation von Macht während und nach der Krise. Ägypten in der Ersten Zwischenzeit und im Mittleren Reich


Das pharaonische Ägypten ist eine der ersten Kulturen, in der (u.a. mathematisches und astronomisches) Wissen schriftlich festgehalten und genutzt wurde. Gerade die Entwicklung mathematischer Praktiken für den administrativen Bereich ist sicherlich als eines der Schlüsselelemente des Erfolgs der altägyptischen Kultur anzusehen. So bildete sich bereits zu Beginn des Alten Reichs die Berufsgruppe der Schreiber heraus, denen die Verwaltung von Ressourcen (sowohl materieller Art, wie Nahrungsmittel und sonstige Produkte aber auch andere, wie z.B. Arbeitsleistungen etc.) oblag. In den von der Ägyptologie traditionell als Blütezeiten angesehenen Perioden (Altes Reich, Mittleres Reich und Neues Reich) wurde dieses Wissen, das in den von den Schreibern verfassten Quellen, wie z.B. mathematischen Lehrtexten, aber auch den Texten aus der Praxis des Schreiberalltags, wie Abrechnungen u.ä., nachweisbar ist, primär für den Nutzen des Königs, dem die Schreiber dienten, erworben und weiterentwickelt. Dieses Wissen, aber auch diejenigen Personen, die es nutzten und weiterentwickelten, sind die eigentlichen Ressourcen, die im Fokus des Projektes stehen sollen. In den Zwischenzeiten (gut belegt zumindest für die Erste Zwischenzeit), in denen die Zentralherrschaft fehlte und die sowohl in der früheren ägyptologischen Literatur als auch im Rückblick der altägyptischen Literatur aus dem auf sie folgenden Reich als Zeiten politischer und kultureller Schwäche beschrieben wurden, nutzten die Schreiber die erworbenen Kenntnisse (also diese Ressource) zur selbstständigen Verwaltung der materiellen Ressourcen ihrer Region. Dabei ist auch außerhalb des mathematisch-administrativen Bereichs die Übernahme von Wissen für den eigenen Gebrauch zu beobachten. Das bedeutete eine deutliche Veränderung des Ressourcenregimes.

Das Teilprojekt möchte die Entwicklung und die Nutzung von Wissen und die soziale und kulturelle Position der Wissenden in der als „schwach“ bewerteten Ersten Zwischenzeit mit denen des vorhergehenden („starken“) Alten Reichs und des darauf folgenden („starken“) Mittleren Reichs vergleichen. Die Zuschreibung der Schwäche für die Erste Zwischenzeit erfolgte sowohl antik durch den Rückblick des folgenden Mittleren Reichs als auch modern durch die ägyptologische Literatur in ihrer Bewertung der Leistungen (z.B. in der Kunst) dieser Zeit. In diesem Projekt soll primär von zwei Quellenkorpora ausgegangen werden, zum einen von den Selbstdarstellungen der Schreiber in den Autobiographien ihrer Gräber und zum anderen von den aus den jeweiligen Zeiten erhaltenen wissenschaftlichen (mathematischen und astronomischen) Quellen.

Beteiligte


Prof. Dr. Annette Warner 
Goethe-Universität Frankfurt 
Gebäude Normative Ordnungen / Raum 1.02 
Max-Horkheimer-Str. 2 
60323 Frankfurt / Main 
Tel.: +49 (069)/798-31430
warner (at) em.uni-frankfurt.de    

Teresa Dittmer 
Goethe Universität Frankfurt am Main 
Gräfstr. 78 
Juridicum Postfach 104 
60486 Frankfurt / Main 
Tel.: +49 (0)69/798-33966 
dittmer (at) em.uni-frankfurt.de

Nadine Eikelschulte 
Goethe Universität Frankfurt am Main 
Gräfstr. 78 
Juridicum Postfach 104 
60486 Frankfurt / Main 
Tel.: +49 (0)69/798-33963 
eikelschulte (at) em.uni-frankfurt.de


Veranstaltungen

No news available.