A 02 Vergangenheit als politische Ressource: Erinnern als Strategie in Griechenland unter römischer Herrschaft


Die Lage Griechenlands unter römischer Herrschaft provozierte in ihrer Zeit einen Schwächediskurs über die moralisch und militärisch schwierige Situation Griechenlands. Das Teilprojekt will untersuchen, wie griechische Gemeinwesen und Priesterschaften unter der Herrschaft Roms und vor dem Hintergrund dieses Schwächediskurses versuchten, durch eine geschickte öffentliche Darstellung ihrer bewunderten Vergangenheit ihre tatsächliche, meist defizitäre Lage zu verbessern. Entgegen der gängigen Darstellung von Griechenland als Opfer imperialistischer Kulturpolitik will das Teilprojekt ein dynamischeres Bild vom Umgang mit Erinnerung im römischen Griechenland entwickeln. Es will zum einen zeigen, dass die Initiative zur Umschreibung der Vergangenheit durch "Aktualisierung" der Erinnerung auch den Griechen selbst zugeschrieben werden muss. Zum anderen gilt es, in vergleichenden Studien regionale und lokale Unterschiede und Eigenheiten in diesem Umgang mit der Vergangenheit im römischen Griechenland zu benennen. Dies wurde vornehmlich anhand ausgewählter Fallstudien im Befund griechischer Poleis und Heiligtümer vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 1. Jh. n. Chr. herausgearbeitet. 

Unsere Untersuchungen sind in einem Sammelband erschienen, der Ende 2017 herausgekommen ist. Den interdisziplinären Band hat das Teilprojekt gemeinsam mit der Universität Groningen und dem Niederländischen Institut in Athen herausgegeben. Unter dem Titel "Strategies of Remembering in Greece under Rome (100 BC - 100 AD)" versammelt er 11 Aufsätze, die sich mit der Verwendung der Ressource Vergangenheit durch schwache Akteure im römischen Griechenland beschäftigen. Der Band, der Arbeiten aus verschiedenen altertumswissenschaftlichen Disziplinen (Alte Geschichte, Klassische Philologie und Klassische Archäologie) vereint, gibt Einblicke in die Verwendung von Vergangenheit im römischen Griechenland. Fallstudien zu ausgewählten griechischen Städten (Athen, Messene) und römischen Kolonien (Korinth, Patras) werden durch Überblickstudien zu einzelnen Aspekten von Erinnerungsregimen in Städten der Peloponnes und Mittelgriechenlands ergänzt. Der Band wurde im Dezember 2017 publiziert und ist online einsehbar.

Seit Januar 2018 geht das Projekt in einer neuen Studie nun vermehrt auch der Frage nach der Funktionalität von Zeitebenen in Schwächediskursen von Vergangenheit nach. Die geschieht in einer Studie Arrians Anabasis, die erörtert, wie Gegenwart zur Ressource für historisches Verständnis für Griechen unter römischer Herrschaft wurde. Die Arbeit untersucht den Einfluss zeitgenössischer Herrschaftsvorstellungen des frühen 2. Jhds. auf das Alexanderbild in der Anabasis des Arrian genauer. Dabei spielen zum einen das Ressourcenregime der gegenwärtlichen Ideen auf historische Ereignisse und Personen eine Rolle, als auch der Schwächediskurs zwischen zwei verglichenen Feldherren und Herrschern, Alexander und Trajan. In der Arbeit soll also die Aktualisierung der Vergangenheit vom Standpunkt der Gegenwart aus gesehen bzw. betrachtet werden. Damit ermöglicht diese Studie das Ressourcenregime um die Ressource Vergangenheit aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

 

 


Projekte

Graduiertentagung: Vergangenheit als politische Ressource: Erinnern als Strategie in Griechenland unter römischer Herrschaft, Frankfurt, 17.06.2016

Altertumswissenschaftliche Graduiertentagung zum Diskurs von Vergangenheit im Spannungsfeld von Herrschaft in den Provinzen Achaia und Makedonien. Einen Konferenzbericht sowie eine Übersicht über die Beiträge finden Sie hier.


Konferenz: Strategies of Remembrance in Greece under Rome, Athen, 19.–21.10.2016

Internationale Konferenz zu Strategien des Erinnerns im römischen Griechenland, in Zusammenarbeit mit dem Netherlands Institute in Athens. dem DAI Athen und der Universität Groningen. Hier finden Sie weitere Informationen zur Konferenz und den einzelnen Beiträgen. 

Beteiligte


Dr. Muriel Moser-Gerber
Goethe Universität Frankfurt am Main
Historisches Seminar (Alte Geschichte)
Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main
Tel.: +49(0)69/798-32464
m.moser (at) em.uni-frankfurt.de

Kilian Schütz
Gräfstr. 78 
Juridicum Postfach 104 
60486 Frankfurt / Main 
Tel.: +49 (0) 69/798-33956  


Publikationen


Assoziierte

David Weidgenannt
Institut für Archäologische Wissenschaften
Abt. II: Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen sowie Archäologie von Münze, Geld und von Wirtschaft in der Antike
IG-Farben-Haus, Raum 5.455
Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69/798-32285