A 02 Vergangenheit als politische Ressource: Erinnern als Strategie in Griechenland unter römischer Herrschaft


Die Lage Griechenlands unter römischer Herrschaft provozierte in ihrer Zeit einen Schwächediskurs v.a. auf römischer Seite (Cicero) über die moralisch und militärisch schwierige Situation Griechenlands. Das Teilprojekt will untersuchen, wie griechische Gemeinwesen und Priesterschaften unter der Herrschaft Roms und vor dem Hintergrund dieses Schwächediskurses versuchten, durch eine geschickte öffentliche Darstellung ihrer bewunderten Vergangenheit ihre tatsächliche, meist defizitäre Lage zu verbessern. Dies soll mit Hilfe vergleichender Fallstudien von Erinnerungslandschaften ausgewählter Orte geschehen. Es kann vermutet werden, dass gerade in Anbetracht einer Niederlage höhere Anreize für eine Mobilisierung und bisweilen subtile Schaffung unüblicher, außeralltäglicher und vor allem nichtmaterieller Ressourcen bestanden. Die Forschung führte bisher aufgrund des Eigeninteresses Roms an der griechischen Geschichte die „Aktualisierung“ der griechischen Vergangenheit in der öffentlichen Erinnerung, d.h. z.B. in performativen Akten oder Bauten, vornehmlich auf römische Erwartungen und Vorstellungen zurück und deutete eine Umschreibung im Sinne einer réécriture als von Rom eingeleitet und durchgesetzt. Entgegen dieser Darstellung von Griechenland als Opfer imperialistischer Kulturpolitik will das Teilprojekt ein dynamischeres Bild vom Umgang mit Erinnerung im römischen Griechenland entwickeln. Es will zum einen zeigen, dass die Initiative zur Umschreibung der Vergangenheit durch „Aktualisierung“ der Erinnerung mehr als bisher geschehen den Griechen selbst zugeschrieben werden muss. Zum anderen gilt es, in vergleichenden Studien regionale und lokale Unterschiede und Eigenheiten in diesem Umgang mit der Vergangenheit im römischen Griechenland zu benennen. Dies soll vornehmlich im Befund einiger griechischer Poleis und Heiligtümer vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 1. Jh. n. Chr. herausgearbeitet werden. Dabei will das Teilprojekt, dem Forschungsinteresse des SFBs folgend, erörtern, ob und unter Heranziehung welcher materieller Mittel es die immaterielle Ressource der Erinnerung an die eigene Vergangenheit den unterworfenen Eliten Griechenlands ermöglichte, gegenüber dem zunehmend dominanten Rom politischen und religiösen Handlungsspielraum zu generieren und zu bewahren.

The Subproject A02 “The past as a political resource: Remembering as a strategy in Greece under Roman rule” of the SFB 1095 under the direction of Dr. Muriel Moser addresses the problem of the use of the (Greek) past in public places in Roman Greece from the 1st century BC to the 1st century AD. In ancient and modern narratives alike, Roman Greece is often understood to have been a place of Roman cultural imperialism and Greek powerlessness or passivity. Against these discourses of weakness, the subproject aims to highlight the crucial role of Greek elites, examining the ways in which they mobilized the non-material resource of their admired past in public buildings, coinage, statues and ‘resuscitated’ traditions with a view to improving their actual situation under Roman rule.

 


Projekte

Graduiertentagung: Vergangenheit als politische Ressource: Erinnern als Strategie in Griechenland unter römischer Herrschaft, Frankfurt, 17.06.2016

Altertumswissenschaftliche Graduiertentagung zum Diskurs von Vergangenheit im Spannungsfeld von Herrschaft in den Provinzen Achaia und Makedonien. Einen Konferenzbericht sowie eine Übersicht über die Beiträge finden Sie hier.


Konferenz: Strategies of Remembrance in Greece under Rome, Athen, 19.–21.10.2016

Internationale Konferenz zu Strategien des Erinnerns im römischen Griechenland, in Zusammenarbeit mit dem Netherlands Institute in Athens. dem DAI Athen und der Universität Groningen. Hier finden Sie weitere Informationen zur Konferenz und den einzelnen Beiträgen. 

Beteiligte


Dr. Muriel Moser 
Goethe Universität Frankfurt am Main
Historisches Seminar (Alte Geschichte) 
Norbert-Wollheim-Platz 1 
60629 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69/798-32464 
m.moser (at) em.uni-frankfurt.de

Assoziierte


David Weidgenannt 
Goethe Universität Frankfurt am Main
Gräfstr. 78 
Juridicum Postfach 104 
60486 Frankfurt / Main 
+49 (0)69/798-33956 
weidgenannt (at) em.uni-frankfurt.de